Hochzeit  TwoSuns  2. Dez. 2005
  
SheSun:
Caroline Zürcher, geb. 2.Dez. 1965   --   HeSun:    Edwin Zimmerli, geb. 2.Dez. 1960  




Startseite
TwoSuns
Mitakuye Oyasin!
PowWow
Photos Hochzeit
Texte
Danke!
Ort
Mitbringen
Medizinrad
Indianer
Indian Spirit
Seattles Rede


 

Die „Organisation“
eines Genozids

Bis 1871 wurden die indianischen Stämme Nordamerikas als souveräne Nationen anerkannt. Dies zeigt sich deutlich hinsichtlich der bis zu diesem Zeitpunkt abgeschlossenen Verträge, welche von der amerikanischen Regierung und einzelnen Stämmen abgeschlossen wurden (siehe: Amerikanische Verfassung Artikel 8).

Ab 1871 wurde den Stämmen das Recht der Eigenständigkeit und Selbstverwaltung abgesprochen und deshalb auch keine Verträge mehr abgeschlossen. Die indianischen Nationen wurden zu Mündel degradiert, die Häuptlingsgesellschaft abgesetzt und das BIA (Bureau of Indian Affairs) als deren Vormund eingesetzt. Allerdings wurde offiziell festgelegt, dass die bis dahin abgeschlossenen Vertragsvereinbarungen auch weiterhin ihre volle Gültigkeit behalten würden, auch in Punkto „Souveräne Nationen“.

In der folgenden Zeittafel soll die Entwicklung der Ereignisse der letzten 150 Jahre der Geschichte der Native Americans aus einer anderen Perspektive als der der Regierung der USA dargestellt werden:

1871 bis 1934 : Genozid, Massaker, kulturelle Unterdrückung, Zerstörung der Tradition und Lebensgrundlage, Landenteignung , Zwangsumsiedelung in Reservate.

Seit dem Massaker am Wounded Knee 1873 versuchte die Regierung der Vereinigten Staaten die Indianer „legal“ auszurotten. So wurde es ihnen verboten, die eigene Sprache zu sprechen. Kinder wurden den Familien zwangsweise weggenommen und in (meist christlichen) Internaten untergebracht. In einer dieser Boardingschools zu landen bedeutete für junge Native Americans nicht nur gegen ihren Willen gewaltsam aus Familie und dem bisherigen Leben herausgerissen zu werden. In den Boardingschools wurden ihnen die langen Haare kurzgeschoren, sie wurden in Schuluniformen gezwungen, es wurde ihnen verboten in ihrer Sprache zu sprechen, ihre Lieder zu singen, ihren Glauben zu praktizieren. Durchgesetzt wurden diese Ge- und Verbote mit brutalster physischer und psychischer Gewalt, mit Entwürdigung, (sexuellen) Misshandlungen und Freiheitsentzug.

Regierungsziel war es, das traditionelle Stammessystem zu zerstören, und dazu war jedes Mittel recht.

Die indianische Bevölkerung hatte es nach den jeweiligen Reservatszuteilungen schwer, wieder eine Lebensgrundlage zu finden. Nomadenvölker wie die Lakota hatten darunter besonders zu leiden. Die von der weißen Regierung versprochenen Geldzahlungen und die Verteilung von Lebensmittel und Bekleidung funktionierte meist gar nicht und wenn, dann nicht zuverlässig. Die meisten Lakota litten an Hunger, viele starben an Unterernährung. Für manche Männer war die Teilnahme an Wild West Shows oft ein Ausweg ihre Familien zu ernähren. Sie waren teilweise jahrelang unterwegs, oftmals sogar bis nach Europa. Große Wild West Shows wie z.B. Bill Codys Darbietungen ( Buffalo Bill Wild West Show), Zirkus Sarasani oder Hagenbeck/Hamburg holten ihre Mitwirkenden vorrangig auf der Pine Ridge Reservat.ion

Anfang des 20. Jahrhunderts gelang immer mehr Lakotas die Umstellung auf Ackerbau und Viehzucht und ab ca. 1930 konnte man die Lebensumstände für viele Reservatsindianer als erträglich, teilweise gut bezeichnen.

Verglichen mit der heutigen Zeit kann man sogar behaupten, dass es den Lakota auf der Pine Ridge Reservation in wirtschaftlicher, sozialer und gesundheitlicher Hinsicht wesentlich besser ging.

Sie konnten weitestgehend an ihren althergebrachten, für sie wichtigen Lebensformen und – bräuchen festhalten. Im Gegensatz zu heute waren die meisten Familien Selbstversorger. Sie hatten eigene Gärten oder arbeiteten in Gemeindegärten mit. Frauen und Kinder sammelten Wildgemüse, Beeren und sonstige essbare Pflanzen, und das zu allen Jahreszeiten (im Winter z.B. die an den Zweigen angetrockneten Beeren). Die Familien zeigten eine enge Verbundenheit zueinander. Es gab keine Lebensmittelmarken, keinen Warenhandel, keine Subventionen, stattdessen: ein gesundes Volk und Unabhängigkeit, das an härteste und karge Lebensbedingungen gewohnt war.

Dies änderte sich in den Fünfzigern, als die Regierung Massnahmen erliess, die den Lebensstiel der Lakota gravierend verändern sollten. Diese einschneidenden Regierungsmassnahmen, die oberflächlich betrachtet wie humane Hilfestellungen von Seiten der Regierung aussahen, entpuppten sich als Instrument einer unmenschlichen Assimilationspolitik, die zu Unselbständigkeit und Verlust der bisherigen Werte und der besonderen Kultur führten und die Indianer dem American Way of Life anpassen sollten.

Unter Vorgabe von Arbeitsplatzbeschaffung wurden von der Regierung Umsiedlungsprogramme gestartet, um Reservatsindianern in Großstädte zu locken, wo sie nicht mehr dem Aufgabenbereich des BIA (Bureau of Indian Affairs) unterstanden. Versprochen wurden Arbeit und Unterkunft und Reisekosten für die Hinfahrt (nicht Rückfahrt!)

Ziel: Schwächung der Stammesstrukturen und Auflösung der Stammesverbände. Reservatsentvölkerung und Aufgehen der Stadtindianer in die Normen der weißen Gesellschaft der USA.

Die Indianer, welche diesem Programm folgten, erwartete starker Rassismus und Arbeitslosigkeit. Soziale Hilfeleistungen entfielen ebenfalls, da diese nur an Reservatsindianer entrichtet wurden. Aufgrund grosser Entfernungen entfielen die für Indianer so wichtigen Familienbande. Sie endeten in Alkohol- und Drogensucht, oder fielen gewalttätigen Auseinandersetzungen zum Opfer und wurden oftmals Zielscheibe rassistischer Schikanen.

Als Assimilationsdruckmittel wurde am 09.06.1953 vom U.S. Kongress die Resolution Nr. 1084 verabschiedet. Ziel war es, die Ureinwohner mit gleichen Rechten und Pflichten eines jeden anderen amerikanischen Bürgers auszustatten.

Tatsächlich bedeutete dies in Wirklichkeit Entzug des Sonderstatus aller Reservationsbewohner und damit verbundenen Vergünstigungen. Dass es sich bei diesen Vergünstigungen um vertraglich vereinbarte Verpflichtungen handelte, als Gegenleistung zu den (Zwangs-) Landesabtretungen von Seiten der Indianer an die U.S.A., wird wissend übergangen. Besonders betroffen waren die Programme im Bildungs- und Sozialbereich.

Der Stammstatus wurde von der amerikanischen Regierung nicht mehr anerkannt.. Rechtsprechung von Straf- und Zivilrecht wurde von den Stämmen auf die jeweiligen Bundesstaaten übertragen, was zu einer verstärkten Aussetzung der Willkür lokaler Behörden führte (Termination by Assumption of Jurisdiction over Indian Country = Terminierung durch Übernahme der Rechtsprechung über indianisches Land)

1956: Start der Subventionen, „Cluster Housing“ und sozialen Hilfeleistungen::

Was auch hier auf den ersten Blick als humane Regierungsmassnahme erscheint, zeigt sich bei näherer Betrachtung als weiterer Schritt, indianische Nationen in die Abhängigkeit und Entmündigung zu treiben.

Die politischen Massnahmen der 50 Jahre hatten innerhalb kurzer Zeit katastrophale Folgen für die Indianer. Auch den Lakota wurde nach dem Genozid des vergangenen Jahrhunderts noch einmal die neu aufgebaute (siehe oben) Lebensgrundlage zerstört.

Laut Statistiken kam es in der Zeit von 1954 und 1962 zur Auflösung von mehr als 100 Stämmen. Das damit verbundene Elend führte zu massiver Depression und Resignation. 1957 wich die Regierung langsam wieder vom Termination Programm ab.


1970: Ende der Terminationspolitik

Erste ernstzunehmende Umkehrversuche wurden zwar schon unter J. F. Kennedy unternommen, aber erst 1970 wurde unter Präsident Nixon offiziell der Terminationspolitik ein Ende gesetzt. Wäre es nicht die U.S.A., würde man die o.g. Regierungsprogramme als „Ethnische Säuberung“ bezeichnen.

Zurück Nach oben Weiter